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11.06.2019 11:21 Alter: 157 days

RC Kempken-Krefeld: Sprachkenntnisse das A und O für die Integration

RC Kempen-Krefeld unterstützt Sprachförderprojekt an Grundschulen in Nettetal


Die pensionierte Lehrerin Marietheres Vokrouhlik unterrichtet drei Mädchen aus Afrika, beobachtet von Anestis Ioannidis (links) und Karl Bedau (rechts). Foto: Manfred Meis

Was ist richtig: der Bein oder das Bein, die Arm oder der Arm, der Fuß oder die Fuß? Die vier Mädchen und Jungen aus vom Krieg erschütterten Ländern des Vorderen Orients üben dies wieder und wieder wie auch die drei Mädchen aus zerrütteten afrikanischen Staaten, denn sie wollen die Sprache des Landes erlernen, in dem sie sich seit einigen Monaten aufhalten. Die einen sitzen in der Katholischen St. Lambertus-Grundschule Nettetal-Breyell, die anderen nebenan in der Gemeinschaftsgrundschule (GGS). Sie und noch gut 20 weitere Kinder erhalten diesen Zusatzunterricht, weil der Nettetaler Hilfsverein „Human Plus“ ein Programm zur Sprachförderung aufgelegt und dafür den Rotary-Club Kempen-Krefeld als Sponsor gefunden hat.

„Human-Plus“-Vorsitzender Anestis Ioannidis weiß aus eigenen Erfahrung, wie wichtig Sprachkenntnisse zum Einleben in einer neuen Umgebung sind. „Als ich vor Jahrzehnten nach Deutschland kam, stand ich ohne Sprachkenntnisse immer außen vor,“ erinnert er sich. Beim Fußballspiel war er dabei, aber danach stand er allein. Das soll sich nicht wiederholen, deshalb setzt er sich mit großem Eifer für den Sprachunterricht ein. Wenn es klappt, erhalten die Kinder in Kleingruppen mit speziellen Materialien jeden Tag drei Stunden zusätzliche Sprachförderung, ansonsten nehmen sie am normalen Unterricht teil, auch dem in englischer Sprache.

„Wir sind sehr dankbar, dass wir diesen Unterricht hier anbieten können“, sagt Anke Rölleke, die Leiterin der Lambertus-Grundschule. Immerhin haben 60 Prozent von ihnen einen Migrationshintergrund. Nach den Erfahrungen von Florian Peuten (GGD) können Kinder mit Förderunterricht wesentlich schneller in die Klassen integriert werden. Eigentlich sei es ja Aufgabe des Staates, allein Kindern dieses Unterstützung zukommen zu lassen, meint Ioannidis, doch hat es dazu noch kein Echo aus Düsseldorf gegeben, obwohl sich die Familienstaatssekretärin Serap Güler im vorigen Jahr über dieses Projekt eingehend informiert und dabei von Schulleiterin Iris Dickmann gehört hatte, dass die „Nullsprachler“ die Schulen vor große Probleme stellen.

Bei der Finanzierung ist Ioannidis, der auch gerne die Kaldenkirchener Grundschulen einbeziehen möchte, deshalb weiter auf Spenden angewiesen. Mit 14.400 Euro engagiert sich der Rotary-Club Kempen-Krefeld für ein Jahr. Dessen Gemeindienstbeauftragter Karl Bedau sieht das Geld „sehr gut angelegt“, nachdem er Unterrichtsstunden beobachtet hatte. „Die Mädchen und Jungen sind mit großer Begeisterung dabei und freuen sich, wenn sie wieder etwas gelernt haben“, ist sein Eindruck.